Stärke deine Stärken und überwinde die ständige Selbstverbesserungs-Falle

Aktualisiert: 13. Juni 2020

Der Fokus liegt auf den Defiziten – meist seit der Schulzeit

Hand aufs Herz: wie oft haben wir uns schon innständig gewünscht, unsere Kinder mögen in der Schule positiver gefördert werden, ihre Stärken erkennen und ausbauen. Das gibt Elan und hilft dem Kind, das eigene Profil auszubilden. So kommt Freude und Selbstbewusstsein auf! Stattdessen erleben wir in unserer Schulpädagogik häufig ein Herumhacken oder -kritisieren an den vermeintlichen Schwächen.

Es fängt ja eigentlich noch viel früher an. Wer kennt nicht die Spielplatzgespräche: „Huch, dein Kind kann die Sprossen noch nicht hochsteigen?“ Und schon rattert unser Gedankenkarussell: „Sollte es das nicht längst können? Hätte ich mehr mit ihm trainieren sollen, Treppen zu steigen? Habe ich es genug gefördert?“ Oft haben wir einen Maßstab im Kopf, was unsere Kinder unserer Meinung nach oder auch gemäß der „Standards“ in diversen Erziehungsratgebern alles können sollten. Aber freuen wir uns und würdigen wir die Stärken und neuen Fähigkeiten unserer Kinder eigentlich ausreichend? Oder haben wir statt des erreichten Meilensteins gleich das nächste vermeintliche Verbesserungspotential entdeckt?

Als Mama bloß nichts falsch machen – und im Job sowieso nicht

Diesem Optimierungsblick auf unsere Kinder liegt oft die Überzeugung zugrunde, es mindestens richtig, am besten sogar perfekt machen zu wollen. Dies treibt uns dann in unserer Elternrolle selbst oft zu Höchstleistungen an. Und da schlagen wir jetzt den Bogen zu uns selbst. Wir perfektionieren uns in unserem privaten Umfeld wie auch in unserem professionellem Tun.

Ich selbst habe einmal eine größere Veranstaltung organisiert. Danach gab es ein mustergültiges Feedback meines Vorgesetzten. Viele Dinge, die hervorragend liefen und ein bis zwei Themen, die noch optimiert werden könnten. Im Ergebnis habe ich mich mit Feuereifer an die beiden zu optimierenden Themen herangemacht. Die Freude an der gelungenen Veranstaltung kam gar nicht so richtig auf. Stattdessen habe ich mich intensiv mit Themen beschäftigt, die mich wenig motivieren.