"Mama kann nicht mehr!": Wenn ganz plötzlich nichts mehr geht

Aktualisiert: Apr 23


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Mama ist die Powerfrau, die alles kann

Ich halte mich selbst gern für eine Powerfrau. Und kriege dieses Feedback auch aus meinem Umfeld - sowohl beruflich als auch privat.


Ich bin durchaus gewöhnt an meine Energie, meine Umsetzungstärke, Entscheidungsfreude und Durchsetzungskraft. Umso schmerzhafter und herausfordernder ist es momentan für mich, mich selbst in einer ganz anderen Verfassung zu erleben. Aber nach einer längeren Erkrankung kommen Energie und Kraft nur langsam zurück.


Und das liegt sicherlich auch daran, dass die vergangenen zwölf Monate meinen Energiespeicher schon gefährlich stark angezapft hatten. Es gibt einfach keine Reserven mehr, aus denen ich schöpfen kann. Und wie ich bei unseren Klientinnen von elterngarten, bei meinen Coaching-Klientinnen und auch im Freundeskreis sehe, das geht inzwischen vielen berufstätigen Eltern so. Die Batterien sind einfach leer!

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Der Körper sagt "Stopp!"

Und solche leeren Batterien haben Konsequenzen. Und diese bekam ich vor fünf Wochen ganz plötzlich und buchstäblich aus dem Nichts zu spüren.


Von einem Tag auf den anderen spürte ich plötzlich Schmerzen, über Nacht kamen Hautausschlag und hohes Fieber dazu. Von der Bereitschaftsärztin, die ich aufgesucht hatte, wurde ich direkt ins Krankenhaus eingewiesen. Als Notfall!


Keiner weiß genau, was die genaue Ursache war, wahrscheinlich eine bakterielle Entzündung der Lymphbahnen. Klar war, dass eine Ausbreitung der Entzündung verhindert werden musste und es dauerte tatsächlich einige Tage, bis ein wirksames Antibiotikum gefunden war. Bis dahin dämmerte ich im Krankenhaus in einem schläfrigen Fieberzustand vor mich hin.


Völlig verrückt, wie man von einer Sekunde zur Nächsten von der unwahrscheinlichsten Sache aus der Bahn geworfen werden kann. Aber ich bin überzeugt davon, dass unsere seelische Verfassung, die Kraft- und Energiereserven die wir haben, ganz maßgeblich mitbestimmen, ob so ein kleines Bakterium in unserem Körper einen derartig großen Schaden anrichten kann oder ob unser Immunsystem dem wirksam gegensteuern kann.


In meinem Fall konnte es das nicht.


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Erzwungenes Nichts-Tun

Und während mein Körper im Krankenhaus also nun gegen die Entzündung kämpfte, kämpfte auch meine Seele. Meine Psyche rebellierte gegen das erzwungene Nichts-Tun und plagt sich mit Schuldgefühlen, weil mein Mann und die drei Kids daheim von jetzt auf gleich allein zurecht kommen mussten. So viele Termine musste ich absagen, konnte Verpflichtungen nicht einhalten und vieles musste einfach liegen bleiben.


Ein Zustand, der schwierig auszuhalten ist, wenn man sich selbst als zupackende Macherin gewohnt ist. Aber nix da! „Rien ne va plus“! Nichts geht mehr.


Mein Körper forderte all meine Kraft und Energie und erinnerte mich mit Nachdruck daran, dass im Leben alles zuerst eine gesunde Basis braucht.



Pflichtbewusstsein vs. körperliche Erschöpfung

Leider liegt hier bei mir und bei vielen Frauen, die ich kenne oder mit denen ich arbeite, der berühmte Hund begraben.


Denn wir neigen dazu, zu wenig auf unsere eigenen Bedürfnisse und unsere Ressourcen zu achten und insgesamt zu rücksichtslos mit uns selbst umzugehen. Wir muten uns viel zu oft viel zu viel zu und stellen unser Pflichtbewusstsein und das Erfüllen der Erwartungen von außen über unsere eigenen Bedürfnisse.


Dies ist schon in ganz "normalen" Zeiten problematisch, aber unter den besonderen Umständen unter denen wir gerade jetzt leben, wird dieser Effekt noch verstärkt.



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Sparen am falschen Ende rächt sich IMMER

Und so sparen wir am falschen Ende. Und wenn der Tag zu kurz scheint für all die Dinge, die wir alle unterbringen wollen, dann ist uns wohl bewusst, dass wir etwas streichen müssen. Aber oft streichen wir eben nicht

  • das Playdate der Kleinsten

  • das Kuchenbacken für den Geburtstag der Schwiegermutter oder

  • das ausführliche Badezimmerputzen.

Sondern wir streichen statt dessen

  • die halbe Stunde Yoga für uns

  • die geplante telefonische Verabredung mit der besten Freundin, um einfach mal in Ruhe zu quatschen

  • den ausführlichen Spaziergang  während des Mittagsschlafs der Kinder.


Kurz: Wir sparen Zeit ein bei uns selbst. Gerade bei den Dingen, die uns doch so gut tun würden, um wieder Kraft zu tanken. 


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Die Zeichen wurden einfach ignoriert!

Mir ist dieser Zusammenhang schon klar, wenn ich jetzt auf die Zeit vor meiner plötzlichen Erkrankung zurück schaue. Ich sehe mich und die vielen kleinen und größeren Zeichen, die ich immer wieder gekonnt ignoriert habe:

  • meine häufige Überforderung

  • die ständige schlechte Laune

  • meine Genervtheit

  • meine Müdigkeit. Immer diese Müdigkeit.

So ist es übrigens oft. Wir wissen eigentlich, wie es geht. Wir spüren deutlich, wie es um uns steht und entscheiden uns doch für "Augen zu und durch". Wir machen einfach irgendwie weiter.

Meine innere Stimme sagt dann: "Muss ja!" und "Wird schon irgendwie gut gehen!" - Tja, die Quittung dafür hab ich bekommen und sie war heftig.


Natürlich muss es nicht immer so dramatisch ausgehen, wie in meinem persönlichen Fall. Nicht jedes überforderte und überbelastete Elternteil landet über kurz oder lang im Krankenhaus. Viele von uns halten hohe Belastung erstaunlich lange aus. Aber es kann auch noch heftiger enden. Auch diese Beispiele kenne ich von Klientinnen und aus dem Bekanntenkreis.


Und je länger wir Erschöpfung und Überforderung ignorieren, desto tiefer ist der Tiefpunkt und desto länger dauert auch der Weg zurück in die die eigene Kraft!



Erste Hilfe: Streichen, streichen, streichen - und diesmal am richtigen Ende

Was kannst du nun also tun, wenn du das Gefühl hast: "Ja, da ist auch bei mir eine Riesenbaustelle und meine Akkus sind gefährlich stark entladen"?


Als "Erste Hilfe" kannst du zunächst deine To-Do-Liste oder deinen Terminkalender rigoros auf das allernötigste reduzieren. Das aller-aller-aller-nötigste. Streichen, streichen, streichen ist die Devise. Und diesmal am richtigen Ende.


Und im Krankenhaus hab ich gemerkt: "Es lief ja doch auch ohne mich." Die Welt ist nicht stehen geblieben! Ich lerne daraus und versuche, viel mehr abzugeben, zu delegieren und zu verzichten.